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„Das kann doch mein Onkel machen?!“ Ja, kann er. Aber…

Ihr fragt Euch, ob auch Euer Onkel oder die beste Freundin, der Trauzeuge oder eine sonst irgendjemand, der Euch gut kennt Eure freie Trauung machen kann? Ihr seid auf der Suche nach der perfekten emotionalen und persönlichen freien Trauung, die Ihr Euch vorstellt? Ihr glaubt, nur ein Verwandter oder Freund könne es hinbekommen, dass eine freie Trauung wirklich persönlich ist? Ihr sucht Sparpotenzial bei Eurer Hochzeit und habt die freie Trauung als eben genau diesen Punkt ausgemacht, an dem Ihr ordentlich Geld sparen könnt? Ihr seid auf der Suche nach Inspiration zur Rede, zu Ritualen und auch eigentlich zu sonst allem, was eine freie Trauung betrifft, weil Ihr sie selbst machen wollt? Wunderbar, Ihr seid hier genau richtig! Für Euch ist dieser Blogartikel! Also: Herzlich willkommen!

Wenn dieser Artikel grad zu lang ist, merkt ihn Euch doch einfach auf Pinterest ♥

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Vorwarnung: Ich bin parteiisch, wenn es um das Selbermachen von freien Trauungen geht 😉

Es ist ja irgendwie klar: Ich bin hauptberufliche freie Traurednerin seit mehr als sieben Jahren. Ich bin also Expertin auf dem Gebiet der freien Trauungen. Ich beschäftige mich in meinem Berufsalltag (und ganz im Ernst auch in meiner Freizeit und eigentlich immer, weil Trauungen nun mal meine absolute Leidenschaft sind) mit freien Trauungen und im Grunde mit nichts anderem. Ich liebe meinen Job und bin parteiisch wenn sich die Frage stellt, ob nicht auch ein Onkel die Trauung machen könne. Klar. Das ist ja auch nur verständlich.

„Eine freie Trauung, kann die nicht auch mein Onkel machen?!“

Wenn Ihr dann aber wirklich erstmal wertungsfrei und ganz ernst gemeint fragt, ob nicht auch Euer Onkel, der Trauzeuge, eine Freundin oder sonst irgendjemand, der Euch nahe steht Eure freie Trauung gestalten und halten kann, dann ist die Antwort erstmal ganz einfach:

„Ja, das kann er!“

Also rein rechtlich spricht nichts dagegen, eine freie Trauung von einem Verwandten oder Freund durchführen zu lassen. Denn eine freie Trauung ist nun mal nicht rechtsgültig, egal wie man es dreht und wendet und wer sie durchführt. Prinzipiell darf also einfach erstmal jeder Mensch eine freie Trauung durchführen, der das gern möchte.

So viel dazu.

Wenn Ihr also findet, dass Euer Onkel oder Euer Trauzeuge Eure Trauung halten kann und auch halten SOLL, dann ist das erstmal kein Problem. Und ganz sicher hat es auch Vorteile, wenn Eure Liebsten Eure Trauung gestalten. Selbstverständlich können auch Verwandte und Freunde ganz wundervolle Trauredner für Euch sein. Auch viele Dienstleister anderer Gewerke schwärmen von vielen freien Trauungen durch Verwandte.

Gerade in den letzten Tagen habe ich eine spannende Diskussion zu dem Thema geführt, wo ich finde, dass es genau richtig ist, dass die Liebsten die Trauung gestalten, weil es perfekt zum Brautpaar und ihren Wünschen passt.

Nur, naja… das ist natürlich nicht immer so. Und die Meisten – gleichgültig ob Brautpaare oder die Liebsten selbst – sind sich den Auswirkungen der Frage „Wer gestaltet unsere Trauung“ nicht bewusst. Deswegen:

Bevor Ihr Euren Onkel oder die beste Freundin fragt, ob er oder sie Eure freie Trauung gestaltet, bedenkt vielleicht erst ein paar Dinge.

Ich kann aber auch zu gut verstehen, dass Ihr als Brautpaar Euch eine persönliche Trauung wünscht, die von Herzen kommt, einem Trauredner so viel Nähe vielleicht nicht zutraut oder dass Ihr manchmal sicher denkt „So teuer? Was ist denn daran bitte so schwer, das ist doch nur eine freie Trauung?!“ und, naja, Ihr wollt vielleicht auch gar nichts so Aufwändiges… trotzdem bin ich natürlich dafür, einen professionellen Trauredner zu wählen, weil wir Nähe UND nötigen Abstand mitbringen, weil wir wissen, was wir tun, weil… nein, ich zähle Euch MEINE Gründe jetzt nicht auf… denn ja, auch ich fände es komisch, wenn ich Euch jetzt sagen würde, warum ich in den meisten Fällen dagegen bin, dass Verwandte oder Freunde eine Trauung gestalten… schließlich bin ich als hauptberufliche Traurednerin da äußerst parteiisch. 😉

Auch finde ich, dass ich das gar nicht beurteilen kann. Noch drastischer: ich will es gar nicht beurteilen.

Wie bereits in meinem Beitrag „Butter bei die Fische, ein Hochzeitsfotograf – lohnt sich das“, möchte ich auch bei der Frage „das kann doch unser Onkel machen“ versuchen, möglichst objektiv zu bleiben… denn eines muss eine guter Trauredner wirklich können: Nicht (be)werten. Ein guter Trauredner versucht, ein möglichst umfassendes Bild zu bekommen, stellt die eigene Meinung hinten an und lässt anderen Meinungen und Sichtweisen Raum 🙂

Und genau das möchte ich auch hier versuchen. Also, schieben wir mal meine Meinung zur Seite und fragen die, die eine viel bessere Basis zur Meinungsbildung haben als ich selbst sie je haben könnte 😉

Hochzeitsdienstleister sind zwiegespalten was freie Trauungen von Verwandten und Freunden angeht.

Deswegen habe ich – so wie ich in Trauungen ganz viele Verwandte und Freunde des Brautpaares frage, um ein umfassendes Bild zu bekommen – einfach einen Haufen Hochzeitsdienstleister gefragt, was sie davon halten, wenn Verwandte oder Freunde des Brautpaars eine freie Trauung durchführen. Denn schließlich sind es die Dienstleister, die den größten Überblick und schon die meisten freien Trauungen gesehen haben.

Die Antworten hätten unterschiedlicher und vielfältiger nicht sein können. „Durchwachsen“ trifft es vielleicht ganz gut.

Und doch ließen sich manche Vor- und Nachteile eines befreundeten oder verwandten Redners immer weder ausmachen. Ich hab sie für Euch sortiert, zusammengefasst und dann eine Quintessenz gezogen, aber klar, die Antworten gibt es ausschließlich anonym. Denn wer möchte schon gern ein Brautpaar damit unglücklich machen, dass die Trauung eines Verwandten oder Freundes vielleicht nicht ganz so wundervoll war, wie sie hätte sein können?!

Ich möchte mich daher ganz ganz ganz ganz herzlich bei all denen bedanken, die in den letzten Wochen und Monaten so ausführlich und bereitwillig mit mir geredet, sich ausgelassen und durchaus auch mal hart diskutiert haben. Fühlt Euch ruhig angesprochen. DANKE!!!!

Die 13 größten Fehler, wenn Verwandte und Freunde eine freie Trauung gestalten

Also, hier die 13 größten Fehler, die Verwandte und Freunde als Redner einer freien Trauung vor, in oder nach einer freien Trauung machen. Damit Ihr sie bedenken könnt bei der Planung Eurer Traumhochzeit… und dazu natürlich auch ein paar Tipps, wie Ihr dem entgegenwirken könnt – und das natürlich nicht nur indem Ihr einen wirklich professionellen und erfahrenen Trauredner bucht 😉

Also, legen wir mal los 🙂

Fehler Nr. 1: Fehlende Vorbereitung

So ziemlich alle Kolleginnen und Kollegen berichteten von einer wirklich schlechten Vorbereitung aus Dienstleistersicht. 
Natürlich berichteten sie auch von wunderschönen Trauungen, die liebevoll vorbereitet, wunderbar persönlich gestaltet und durchdacht waren – die meisten allerdings hatten mehrfach miterlebt, dass die durchführenden Verwandten und Freunde komplett unvorbereitet waren.

Wir als Trauredner stecken Unmengen Zeit in die Vorbereitung einer freien Trauung. Da werden mehrere Gespräche mit dem Brautpaar geführt, die Verwandten und Freunde werden befragt, da werden Rituale, Textteile, Lesungen, Musik und andere Bestandteile der Zeremonie mit Bedacht gewählt und zu einem schlüssigen Ablauf zusammengestellt, eine Rede geschrieben und und und.

All diese Dinge hatten hatten die allermeisten Verwandten und Freunde nicht getan. Wie denn auch, sie haben ja im Normalfall keine Erfahrung mit freien Trauungen.

Freunde und Verwandte, die eine freie Trauung gestalten hatten nach Kollegenaussage dem Brautpaar kaum oder gar keine Fragen gestellt. Und wenn doch, wussten sie dann nicht, wie sie aus den erfahrenen Dingen eine möglichst zum Brautpaar passende Trauung machen sollten.

Die meisten von ihnen schrieben zu spät oder gar keinen Ablauf für die freie Trauung in dem festgelegt war, wie sich die verschiedenen Bestandteile zu einem Gesamtwerk zusammenfügen.

Mit dem Brautpaar war dann oft leider gar nichts besprochen, weil sie sich überraschen lassen wollten… was bei uns Profis wirklich toll sein kann. Bei den Hochzeiten, die die Kollegen anderer Gewerke erlebt hatten ging diese Überraschung leider in allen Fällen nach hinten los. Mist.

Tipp: Unterstützt Euren Verwandten ganz aktiv! Ladet ihn oder sie zum Essen ein, geht mit ihm die Trauung durch, fragt aktiv, ob Eure Hilfe benötigt wird. Fragt ganz genau, ob Ihr noch Input liefern könnt und legt gemeinsam fest, welche Rituale, Textteile, Lesungen, Musik oder andere Bestandteile einer freien Trauung Ihr Euch wünscht und in welcher Reihenfolge Ihr sie am besten fändet.

Erarbeitet gemeinsam wirklich haargenau den Ablauf für die Trauung Trauung. Dann wissen Eure Liebsten auch, dass Ihr Euch nicht nur einen Freundschaftsdienst sondern wirklich auch eine professionelle Einstellung und Bearbeitung wünscht.

Und vor allem: Lasst Euch von unerfahrenen Rednerinnen oder Rednern nicht komplett überraschen!

Fehler Nr. 2: Keine Unterstützung des Brautpaares bei der Gestaltung der Eheversprechen

Ihr wollt Euch in der Trauung auch selbst was sagen? Wunderbar, Eheversprechen sind wirklich immer toll und man kann dabei eigentlich nicht besonders viel falsch machen, finde ich.

Nur gibt es auch da natürlich ein paar Tipps, wie man sie noch besser machen kann. Verwandte und Freunde, die Eure freie Trauung gestalten, kennen die nur leider nicht. Und Brautpaare sind, so berichteten mir mehrere Dienstleister, nicht nur oft alleine gelassen mit den Eheversprechen, sie mussten meistens auch den Ablauf, die Rituale und manchmal sogar die Rede selbst schreiben. Also nicht gemeinsam, wie im Tipp oben sondern wirklich ganz alleine, weil der Verwandte oder Freund einfach nicht „in die Puschen kam“ oder gar nicht interessiert daran war, diese Arbeiten selbst zu übernehmen.

Aus meiner professionellen Sicht schade, denn aus all dem wäre sicher mehr rauszuholen gewesen als man von einem unerfahrenen Verwandten, Freund und Euch (!) erwarten kann.

Tipp: Es gibt im Internet ein paar (überwiegend englische) Anleitungen um Eheversprechen zu schreiben, es gibt auch ein (deutschsprachiges) Buch dazu, aber am Ende zählt vor allem Euer Herz. Überlegt Euch, was Ihr liebt, was Ihr nicht mögt aber akzeptiert und was Ihr realistisch versprechen wollt und macht daraus Euer Eheversprechen. Und wenn alle Stricke reißen: Schreibt mir eine E-Mail, ich hab eine Anleitung für die Eheversprechen, die eigentlich nur meine Brautpaare bekommen, aber ich kann Euch ja nicht im Regen stehen lassen 😉

Fehlende Professionalität

Eine Verwandte, die Ihr als Rednerin für die freie Trauung „engagiert“, die sich dann aber in irgendwie alles einmischt? Bankettplanung, weil sie hier oder dort nicht sitzen mag, Menüwahl, weil sie dieses oder jenes nicht mag?

Aus meiner parteiisch professionellen Sicht schlicht ein absolutes NoGo. Allerdings scheint genau das öfter vorzukommen.

Professionelle Trauredner und Traurednerinnen fühlen sich für die Trauung zuständig und unterstützen, wenn sie gefragt werden natürlich gern auch in anderen Bereichen, lassen aber professionelle Dienstleister anderer Gewerke einfach ihren Job machen und reden nicht überall ungefragt und grenzüberschreitend rein.

„Mein Tanzbereich, dein Tanzbereich“, Ihr wisst schon 😉

Tipp: Wie eine Hochzeitsplanerin mir erzählte, hatte sie enorme Probleme mit einer Verwandten, die sich überall einmischte. So sehr, dass sie sie darauf hinweisen musste… allerdings ist das natürlich schwierig, denn als Dienstleister möchte man selbst schließlich vor allem das Brautpaar glücklich machen, komme was da wolle. Und auf keinen Fall ein Buhmann sein. Dazu etwas zu sagen kann also schwierig, mindestens aber ein sensibles Thema sein für den Dienstleister.

Wenn Ihr also merkt, dass die oder der Verwandte oder Freund vielleicht ein wenig seine gefragten Kompetenzen überschreitet, bitte, tut den anderen Dienstleistern einen Gefallen und sprecht dies selbst an.

Schließlich bezahlt Ihr Eure Hochzeitsdienstleister auch dafür, dass sie Erfahrung haben in dem was sie tun 😉

Zu wenig Plan

Euer Onkel ist ein wunderbarer Redner, der tolle Reden auf Geburtstagen improvisiert? Wunderbar. Meine Kolleginnen und Kollegen der Hochzeitsbranche berichteten aber leider von viel zu wenig Planung wenn es an Trauungen geht. Da fehlen dann Utensilien oder es werden belanglos einfach alle Standardrituale aneinandergereiht. Der Onkel sagt, er sei „am besten Freestyle“ und unterstützt damit in keinem Punkt die Dienstleister. Denn die müssen für den folgenden Tagesverlauf natürlich wissen, wie lang die Trauung ungefähr sein wird. Wie soll der Caterer sonst wissen, wann der Sekt aufgemacht werden muss? Das ging bei dem einen oder anderen schon so weit, dass die Braut fragte, wann die Trauung denn endlich vorbei sei. Upppss.

Viele Ähs und Öhs machen den eigentlich wunderschönen Moment einer freien Trauung übrigens zum Desaster. Das Gleiche gilt dafür, wenn der Verwandte oder die Freundin einfach nur schnell fertig werden will, aus welchen Gründen auch immer und deswegen keine Stimmung aufkommen lässt.

Dafür ist der Moment, ist Eure Trauung, einfach zu schade! Denn eine Trauung, egal wie laut, verrückt und mit viel Lachen sie daherkommt, ist doch ein wirklich besonderer Moment, der auch genau so gefeiert werden sollte. Ihr heiratet! ♥

Tipp: Auch wenn ich nicht empfehle, die Rede wortwörtlich vor der Trauung zu kennen, so bittet doch Euren Verwandten, wirklich ein Skript zu schreiben. Im Idealfall habt Ihr gleich zwei von ihnen beauftragt, wovon einer oder eine eher ein systematisches Vorgehen bevorzugt 😉

Keine Proben oder Locationchecks

Klar, Proben der Trauung sind aus unserer deutschen Sicht ziemlich amerikanisch überflüssig. Aber ein wenig Vorbereitung darf schon sein. Viele meiner Traurednerkolleginnen- und kollegen bieten daher an, sich vor der Trauung mit dem Brautpaar an der Hochzeitslocation zu treffen, damit einige Stolperfallen ausgemerzt werden können. Das scheint wirklich eine gute Idee zu sein.

Denn Diverse DJ-Kollegen (sorry, ich sprach mit keinen weiblichen Kolleginnen dieses Gewerks) berichteten, dass im Grunde keiner der Redner eine eigene Musik- oder Mikrophonanlage hatte. Und wenn, dann haben sie nicht bedacht, dass es an der Trauwiese keinen Strom gibt oder hatten viel zu wenig Kabel dabei.

Auch kamen Redner schon zu spät, weil sie die Traulocation nicht fanden, ewig nach einem Parkplatz suchen mussten oder zu lange mit den Verwandten und Freunden schäkerten und nicht daran dachten, dass sie den Trauplatz vorbereiten sollten. Einige stellten dann vor allem sich selbst in den Mittelpunkt und wollten fünf Minuten vor der Trauung noch einen unabgesprochenen Soundcheck machen oder doch lieber in die Halle umziehen, weil das Mikrofon das Gesicht verdecke und in der Halle ein so schöner Klang herrsche. Andere diskutierten anscheinend lautstark mit Musikern – die nach bestem Wissen und Gewissen für den verspäteten Verwandten oder Freund den Trauplatz vorbereitet hatten – weil die Stühle „ungut“ stünden. Während die Braut bereits startklar war. Uff.

Tipp: Verwandte zum Essen in der Hochzeitslocation einzuladen und vor (!) dem Essen alles genauestens vor Ort durchzusprechen mag vielleicht den oder die Auserkorene(n) ein wenig nerven, aber hey, IHR seid das Brautpaar, also legt fest, was Ihr Euch wie wünscht und was dabei bedacht werden muss. Wenn Ihr keinen Profi engagiert, so liegt dieser Locationcheck vor Ort der freien Trauung eindeutig in Eurer Hand, wenn Ihr möchtet, dass alles funktioniert. Das Gute daran: Habt Ihr alles bedacht, müsst Ihr am Tag der Hochzeit „nur“ noch aufgeregt sein, weil Ihr heiratet und nicht, weil Ihr nicht sicher seid, ob alles funktioniert. 😉

Zu viel Aufregung

Die wenigsten Menschen sind es gewöhnt, vor vielen Menschen zu sprechen. Erstrecht nicht bei einem solch respektvollen und wunderbaren Moment wie einer Hochzeit. Diese Verwandten sind also durch – sorry –Durchfall, Panikattacken und viel zu viel Lampenfieber gehandicapt. Gut ist es dann, wenn die Trauung trotzdem stattfinden kann.

Nur wird dann leider oft unterschätzt, dass diese Aufregung für ALLE Beteiligten Extrastress bedeutet. Und ich sage Euch, zur Hochzeit sind Braut und Bräutigam selbst mehr als aufgeregt, da braucht es dann nicht noch einen Part drei (Redner), einen Part vier (alle anderen Verwandten, allen voran die Brautmutter) und einen Part fünf (die Dienstleister ;)).

Das große Problem an zu viel Aufregung: Die ganze Stimmung droht zu kippen, die freie Trauung erst recht. Und wenn dann vorher nicht geprobt wurde, nimmt das ein Ausmaß an, dass man sich kaum vorstellen kann.

Tipp: Ein unerfahrener Redner spürt den Druck der ganzen Welt auf den Schultern lasten und plötzlich wenn er anfällig für Aufregung ist, wird er oder sie kaum einen Ton rausbekommen. Und wenn, dann werden Wasser, ein Mikro und ein Platz im Schatten unerlässlich. Achtet also schon bei der Planung darauf, dass Euer Verwandter nicht plötzlich durchdrehen kann, indem Ihr allerhand Kram gegen Lampenfieber parat habt von Notfalltropfen bis zum weichen Kissen auf dass er oder sie (oder Braut oder Bräutigam ;)) einschlagen kann um Adrenalin abzubauen 😉

Zu viele Witze

Viel zu viele (schlechte) Witze auf Kosten des Brautpaares. Kann man machen… macht man anscheinend öfter, wenn man dem Brautpaar zu nahe steht und – natürlich – viel zu viele Zoten aus der gemeinsamen Zeit einbauen möchte. Das macht nämlich Spaß, zumindest aus der Sicht des Verwandten oder Freundes, der Eure Trauung gestaltet. Es ist nur Schade, wenn die Braut nicht weint, weil die Trauung so wundervoll ist sondern weil der Freund, der die Rede während der Zeremonie hält, die Verflossenen des Bräutigams ein wenig zu sehr lobt. Wirklich geschehen, sorry.

Tipp: Die Trauung ist der gehaltvolle Höhepunkt des Tages, denn SIE ist der Übergang von „unverheiratet“ zu „verheiratet“. Wenn auch nicht per Gesetz, dann doch ganz sicher kulturell. Daher solltet Ihr Euren Liebsten, die die Trauung gestalten, unbedingt klar machen, dass schlechte Witze auf Kosten eines Anwesenden, Exfreunde, zu viele Alkoholexzessgeschichten und natürlich auch zu viel Alkohol Tabu sind. Wirklich! Wir nennen das „trauungsfreundlich verpacken“ 😉

Zu wenig Romantik

Die meisten Verwandten, die eine freie Trauung gestalten, haben das noch nie gemacht. Das kann natürlich gerade besonders toll sein, jeder fängt schließlich mal an (und wirklich, meine erste Trauung war definitiv kein Meisterstück), aber einige Dienstleister verrieten mir, dass die Reden, die Verwandte halten, meistens eher Reden für den Abend wären. Keine Zeremonie, die Euch verbinden und all Eure Liebsten einbeziehen soll sondern eben einfach eine Rede des Brautvaters oder so.

Tipp: Sprecht mit Eurem Verwandten oder Freund, der oder die die Trauung gestalten soll, darüber, wie wichtig Euch die Trauung ist. Und was Ihr Euch von der Trauung wünscht. Sie soll Euch verbinden… vielleicht ist dann ein Zusammengehörigskeits- oder Verbindungsritual das Richtige für Euch? Und bittet sie ohne ihn unbedingt darum, NICHT in einem Buch nachzuschauen, wie man eine Rede schreibt… denn alle Bücher, die es dazu gibt, sind leider nicht auf freie Trauungen und Zeremonien ausgelegt 😉

zu viel Romantik

Der kleine Prinz, die Kugelhälften und aus dem Internet runtergeladene Redeskripte? Uff. Das alles zusammen ist doch manchmal vielleicht ein wenig zu viel des Guten. Natürlich können romantische Trauungen wunderschön sein und ganz wundervoll, wenn sich aber „der Teppich der Braut zu Füßen legte, als diese beseelt elfengleich den Gang zu diesem erhabenen Moment wagte“ kann das vielleicht doch ein wenig zu viel des Guten sein. 😉

Tipp: Denkt Euch gemeinsam mit Eurem Liebsten, der die freie Trauung gestaltet, den Ablauf der Zeremonie aus und macht für die Traurede gemeinsam vielleicht ein paar Stichpunkte, welche Themen in welchem Redeblock vorkommen sollten. Im Idealfall schreibt Ihr sogar ungefähre Minutenangaben zu den einzelnen Blöcken. So könnt Ihr triefende Romantik vielleicht nicht ganz vermeiden, weil sie einfach in der Schreibweise Eures Liebsten liegt, aber Ihr könnt sie doch zumindest ein wenig eingrenzen 😉

In einer Trauung gilt, wenn außen rum alles stimmt meistens: Sie ist an sich schon romantisch genug, man muss also gar nicht soooo dick auftragen 😉

Schlechte Durchführung

Es gibt ein paar Dinge, die für Emotionalitätsprofessionelle wie uns Trauredner vollkommen normal sind und die wir in der Trauung bedenken. Verwandte sind aber eben in einem anderen Fach die Experten. Das sieht man dann an Dingen wie:

  • Stehen oder sitzen Gäste bei Einzug von Braut und Bräutigam eigentlich!? Genau, diese Frage stellen sich auch Gäste, wenn ihnen nichts gesagt wird. Dann stehen einige, andere sitzen 😉
  • Gäste, die in der Trauung nie gebeten werden, sich zu setzen, bleiben tatsächlich einfach stehen. Die ganze Zeit. Auch bei 32 Grad. Denn da vorn steht ja Jemand, der das Sagen hat 😉
  • Gäste sitzen stundenlang in der Sonne bei sengender Hitze, weil Niemand an Schirme dachte. Wahlweise im Nieselregen. Und sie bleiben tatsächlich einfach dort sitzen, wenn ihnen nichts anderes gesagt wird, weil sie die Zeremonie nicht stören wollen. Zwei Omas fielen in den Erzählungen meiner Kolleginnen und Kollegen um, ein Kind kotzte.
  • Ob die Ringe zu Beginn der Zeremonie da sind, wo sie hingehören ist wohl öfter ein Problem. Weil es niemand vorher checkt.

Und Fotografen bemängelten besonders oft, dass Verwandte und Freunde, die die freie Trauung halten oft an der falschen Stelle stünden. Besonders doof sei das vor allem beim Kussfoto 😉

Tipp: Ja, ich weiß, es ist viel zu bedenken. Genau deswegen ist der Beruf des Trauredners ein ziemlich anspruchsvoller Beruf… aber vielleicht erstellt Ihr gemeinsam mit dem Liebsten Eures Vertrauens eine Checkliste, was er oder sie auf keinen Fall vergessen darf? Nehmt einfach alles, was Euch einfällt, was schiefgehen kann und denkt dann noch ein Stück weiter… schon habt Ihr eine lange Liste, die Ihr gemeinsam durchgehen könnt. Das wird auch Eurem/r Verwandten oder Freund/in gut tun, denn auch er oder sie kann ein wenig gelassener ans Werk gehen, wenn eine Checkliste den Weg weist 🙂

Zu viel Fernsehen

Ein Verwandter oder Freund, der zu viel Fernsehen gesehen hat und Euch „Kraft seines Amtes“ zu Mann und Frau erklärt nach dem Ja-Wort?

Uff.

Erstmal hat Euer Verwandter, Eure Trauzeugin oder wer auch sonst Eure freie Trauung gestaltet und durchführt bei uns in Deutschland nur ein Amt, dass IHR ihm verliehen habt. Nichts und sonst. Würde er oder sie das klar sagen, wäre das also erstmal gar nicht so schlimm…

Allerdings: Wenn diesen nicht klar formulierten ersten Teilsatz Jemand hört, könnte er oder denken, Euer Verwandter oder Freund hätte tatsächlich ein Amt. Und Ihr wärt tatsächlich durch diese Trauung per Gesetz verheiratet. Schließlich kennt auf einer freien Trauung selten wirklich jeder jeden. Ich habe Brautpaare, die nicht mal alle Gäste kennen, was am „plus eins“ also an der Begleitung liegt 😉

Aber ups: Wenn Jemand denkt, der Mensch dort vorne hätte eine tatsächlich gesetzliche Bewandtnis und Ihr wärt nach der Zeremonie tatsächlich per Gesetz verheiratet… ups, dann ist das eine Amtsanmaßung. Und auf die stehen bis zu zwei Jahre Haft. Mist.

Beim zweiten Teilsatz muss ich immer grinsen – zugegebenermaßen. Er oder sie erklärt Euch zu Mann und Frau? Habt ihr eine geschlechtsangleichende Operation während der Trauung vorgenommen? Ich glaube nicht. Dann hattet Ihr Euer Geschlecht vorher schon… öhm, was soll dann dieser Satz?! Richtig müsste es dann wohl heißen „Ehemann und Ehefrau“, denn DAS wart Ihr vorher nicht ;))

Tipp: Sprecht mit Eurem Verwandten oder Freund, der oder die die Trauung macht bitte auch über das Ja-Wort und was er oder sie danach sagen will oder soll. Denn eine freie Trauung – egal wie frei und ungebunden sie auch sein mag – hat eben doch ein paar rechtliche Stolperfallen zu bieten. Das gleiche gilt übrigens auch für so Sachen wie GEMA und GEZ, aber das würde jetzt zu weit führen.

Unangemessenes Benehmen

Eine Traurednerin, die sich vor der Trauung mehrfach umzieht und die Braut jedes Mal um ihre Meinung fragt? Ein Trauredner, der den ganzen Abend nur davon spricht, wie toll er war und von jedem Dienstleister und jedem Gast eben dies bestätigt wissen möchte? Eine Traurednerin, die viel zu leger gekleidet oder viel zu auffällig geschminkt ist – oder zu viel Alkohol vor der Trauung trinkt?

Laut meinen Kolleginnen und Kollegen der Hochzeitsbranche ist all das schon vorgekommen. Und das ist nicht nur für Eure Gäste und Euch sondern eben auch für Hochzeitsdienstleister ein wenig schwierig. Denn wir alle möchten, dass Ihr eine wundervolle Trauung habt und Eure Hochzeit genießen könnt. Und wir professionellen Dienstleister benehmen uns vor Ort auch so, dass Ihr das könnt. Das dann auszugleichen und auszuhalten kann für die Kolleginnen und Kollegen, die versuchen zu retten, was zu retten ist, wirklich zur Zerreißprobe werden.

Tipp: Hier gilt, ähnlich wie bei den unangemessenen Witzen, sprecht vorher mit Eurem Liebsten, was geht und was nicht geht. Und macht ihm klar, dass sein Auftrag an diesem Tag wirklich wichtig und für Euch eine Herzensangelegenheit ist. Dass Ihr besonders viel Respekt vor der Trauung habt (Ihr dürft da wirklich dick auftragen) und dass Ihr Euch das auch von ihm wünscht 🙂

Dann wird das hoffentlich hinhauen 🙂

Und dann, naja, dann ist da noch der absolute Supergau für Eure freie Trauung:

Fehlender Redner.

Uff. Das muss man erstmal setzen lassen, finde ich.

Von 43 Dienstleistern, mit denen ich geredet habe in den letzten Wochen hatten gleich 39 den Fall: Verwandte, die sich bereiterklärt hatten, die freie Trauung durchzuführen, die vielleicht sogar gut vorbereitet waren und so viel wie möglich bedacht hatten… und dann kurz vor der Hochzeit absagten. Wirklich!

Die Gründe? Meistens, dass sie feststellten, dass es doch nicht so einfach ist, eine freie Trauung zu gestalten und sie schafften es doch nicht. Oder sie hatten plötzlich was Besseres zu tun, wollten in den Urlaub oder so (sic!).

Oder ganz profan wahnsinnige Aufregung. Denn das, was ich Brautpaaren immer sage: „Du heiratest nicht ständig, du weißt nicht, wie du als Braut oder Bräutigam reagierst“ gilt auch für Menschen, die noch nie eine Trauung gehalten haben. „Du weißt nicht, wie du reagierst“. Und da können der Druck und die Verantwortung dann durchaus plötzlich und unerwartet zu groß werden. Auch bei erfahrenen Rednerinnen und Rednern aus den Reihen der Freunde und Verwandten.

Tipp: Hier eine Empfehlung mitzugeben fällt mir wirklich schwer. Denn wenn Euer Liebster ein Mal beschlossen hat, dass er oder sie die Trauung nicht halten kann, dann solltet Ihr das akzeptieren. Und entweder, Ihr habt wahnsinniges Glück und findet kurzfristig noch eine Traurednerin oder einen Trauredner, der professionell und erfahren schnell Eure Trauung zum Guten wenden kann (Notrufe an professionelle und erfahrene Trauredner helfen hier manchmal Wunder und wenn Ihr ein wenig flexibel vielleicht auf eine Abendtrauung umschwenkt, kann da sicher was gehen) oder Ihr verzichtet auf die Zeremonie.

Ja wirklich, verzichtet auf die Zeremonie!

Plant um und genießt den Tag ohne Trauung, denkt nicht mal mehr daran! Denn auf eine schnell von unerfahrenen Rednern zusammengeschusterte Zeremonie, die Niemandem richtig Spaß macht und die Niemanden glücklich macht solltet Ihr wirklich lieber verzichten.

Klar, ich bin parteiisch

Und deswegen kann ich Euch einfach nicht raten, einen professionellen Trauredner oder eine erfahrene Traurednerin zu engagieren. Obwohl ich das natürlich nur zu gern würde 😉

Aber vielleicht wird andersrum ein Schuh draus: Lasst Eure Gäste einfach Gäste sein! Gönnt Ihnen diesen wunderbaren Tag mit Euch! Denn sie sind die liebsten und tollsten Menschen, die Ihr kennt und die sollten die größte Party Eures Lebens einfach genießen können. Sie und all die Unterstützung und Liebe, die Euch in Eurem Leben begleiten sollten Euch das wert sein ♥

Für den Rest sind wir Emotionalitätsprofessionellen vielleicht die bessere Wahl, damit alle – also Ihr, Eure Gäste, aber auch andere Dienstleister – sich entspannt zurücklehnen können.

Und nun, entscheidet einfach selbst, ob die freie Trauung auch Euer Onkel machen kann 🙂

Völlig egal, wie Ihr Euch entscheidet: Ich drücke Euch alle Daumen für Eure Hochzeit und für Eure freie Trauung. Und ich wünsche Euch alles erdenklich Gute für die gemeinsame Zukunft. Denn sie ist es, die zählt ♥

Friederike

PS: Dieser Beitrag kommt ganz bewusst ohne Fotos aus, denn klar, ich hätte Euch die schönsten Küsse zeigen können bei denen ich nicht im Weg stand, die glücklichsten DJs und was weiß ich. Ich möchte aber, dass Ihr unvoreingenommen entscheiden könnt. Das Beitragsbild ist deshalb bewusst neutral gehalten. Es ist Hochzeitsfotograf Steven Herrschaft. Bei dem ich mindestens genau so parteiisch bin wie bei meinem eigenen wunderbaren Beruf 😉

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